Würden Sie im Saarland einer großen Koalition zustimmen?
Wer SPD oder CDU wählt, wählt noch lange nicht die große Koalition. Bei der letzten Bundestagswahl wurde darüber nicht lange nachgedacht. CDU/CSU und SPD gaben sich ziemlich schnell das Ja-Wort, um zu verhindern, dass die Linke an der Regierung beteiligt wird. Ob die Wähler dies so wollten, danach hat niemand gefragt. Nun wird es ja im Saarland wahrscheinlich nach der Landtagswahl am 30. August zu einer ähnlichen Situation kommen. Wählerinnen und Wähler der beiden großen Volksparteien CDU und SPD müssen damit rechnen, dass es auch im Saarland zur großen Koalition kommt. Im Gegensatz zu den Parteien fragen wir deshalb nach, ob Sie das auch wirklich wollen ....
 
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UN-Bildungsbericht: Harte Kritik am deutschen Bildungssystem PDF Drucken E-Mail
Freitag, 23. März 2007
munoz100Das Recht auf Bildung wird nach Auffassung des UN-Sonderberichterstatters Vernor Muñoz (Bild) in Deutschland nicht überall ausreichend umgesetzt. Selektiv, diskriminierend, undemokratisch - lautet die vernichtende Kritik.
Und damit meint Muñoz vor allem das dreigliedrige Schulsystem, das so nur in Deutschland besteht und schon seit den 90er Jahren immer wieder als Hauptursache für die Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien angesehen wird. Dabei werden die Kinder bereits mit 10 Jahren (nach der vierten Klasse) auf die verschiedenen Schultypen verteilt. Dieses streng gegliederte Schulsystem stammt noch aus der Zeit der preußischen Erziehungstradition und wird wegen seiner unsozialen Auslesefunktion schon seit Jahren von Seiten der OECD, der UNESCO, der UNICEF, der EU-Kommission, der Vereinten Nationen und anderer Institutionen deutlich kritisiert. Muñoz fordert in seinem Report die Bildungspolitiker "eindringlich" auf, "das mehrgliedrige Schulsystem, das sehr selektiv und sicher auch diskriminierend ist, noch einmal zu überdenken".

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn nach der Grundschule werde durch Lehrer getroffen, "die für die Durchführung solcher Beurteilungen nicht immer ausreichend geschult sind". Weil dabei vor allem auf Sprachkenntnisse geachtet werde, entstehe ein starker "diskriminatorischer Effekt für Schüler ausländischer Herkunft, deren Muttersprache nicht Deutsch ist". Ohnehin Benachteiligte werden so zu "doppelt Benachteiligten".

Muñoz kritisiert außerdem, dass Kinder aus Zuwandererfamilien systematisch benachteiligt werden. Er nennt als Beispiel türkische Gastarbeiter: "Jahrzehnte nach der Ankunft dieser Menschen müssen heute Tausende deutscher Kinder ausländischer Herkunft besser in das Bildungssystem und die Gesellschaft integriert werden." Auch Flüchtlingskinder, die bisher nicht in allen Bundesländern von der Schulpflicht erfasst werden, hätten ein Recht auf den Schulbesuch, so der Sonderberichterstatter (Anmerkung d. Redaktion: hier hat das Saarland erst jetzt die notwendigen Schritte zu deren Schulpflicht eingeleitet).

Muñoz plädiert zudem für eine Stärkung der demokratischen Schulkultur, indem die Lehrerbildung und der Ganztagsunterricht zu bildungspolitischen Prioritäten erklärt werden.

Der Muñoz-Bericht fasst die notwendigen Reformen in 7 Kernbereichen zusammen:

1) Wandel von einem selektiven Bildungssystem zu einem System, bei dem das Individuum unterstützt wird und dessen spezifische Lernfähigkeiten im Mittelpunkt stehen;

2) größere Unabhängigkeit der Schulen, dies bedeutet, dass Schulen flexibel und autonom in der Nutzung ihrer Finanzen, der Einstellung von Lehrern und der Umsetzung der zentralen Zielsetzungen sein sollten;

3) Verbesserung der Bildungsinhalte und Methoden, insbesondere durch eine systematische Sprachausbildung der Migranten, die Verstärkung der Lesefähigkeiten und die Einführung neuer Medien;

4) Verstärkung der demokratischen Schulkultur, indem man dem Kind mehr Autonomie und die Möglichkeit gibt, seine Kompetenzen einzusetzen;

5) die Strukturen sollten so gestaltet werden, dass sie jedem die Chance geben, sein/ihr Potenzial auszuschöpfen, beispielsweise durch verstärkte Kindergartenangebote, die Einführung von Ganztagsschulen und den Verzicht auf ein gegliedertes Schulsystem. Im Hinblick auf das Letztgenannte sollte festgehalten werden, dass - trotz erfolgreicher ausländischer Beispiele eines Schulsystems für alle Schüler, durch das Kinder die Möglichkeit haben, für einen längeren Zeitraum gemeinsam zu lernen und durch das alle angehalten werden, bessere Ergebnisse zu erzielen - die Diskussion über das mehrgliedrige System, das der Sonderberichterstatter für extrem selektiv hält, große Angst und Widerstand auszulösen scheint, insbesondere Besorgnis über den Verlust von Privilegien für diejenigen, die am meisten vom aktuellen System profitieren;

6) eine andere Ausbildung für Lehrer, die nicht nur in ihrem Fachgebiet spezialisiert sein sollten, sondern auch auf pädagogischer Ebene;

7) stärkere Investitionen und mehr Finanzmittel für frühkindliche Unterstützung, dafür sollten die Finanzen besser investiert und verteilt werden.

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Die deutsche Übersetzung des Munoz-Berichts

 

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