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Ungeliebte Jungs PDF Drucken E-Mail
Freitag, 26. Januar 2007

Es ist inzwischen schon fast ein Ritual: Werden in Schulen und Kindergärten neue Klassen oder Gruppen gebildet, fällt zunächst einmal der Blick auf den Anteil der Geschlechter.

Sehr viele Jungs: das lässt Schlimmes ahnen. Ist der Anteil der Mädchen dagegen ziemlich hoch, können Lehrer wie Erzieher erst mal kräftig durchatmen. An vielen Schulen wird penibel darauf geachtet, dass in den neuen Klassen die Mädchen gerecht untereinander verteilt sind.

Mädchen kommen mit unserer herkömmlichen Form von Schule besser zurecht. Sie sind in der Regel fleißiger, aufmerksamer, stören seltener und halten sich mehr an die Regeln. Mädchen sind deshalb auch oft beliebter. Sie profitieren bei Lehrkräften von einer Art Schutzmechanismus, der ausgelöst wird, weil sie den Jungs gegenüber zahlenmäßig unterlegen sind. Das zumindest an den Realschulen und Gesamtschulen. Dort müssen sie sich anfangs in Klassen durchsetzen mit etwa zwei Drittel männlicher Konkurrenz. Das ändert sich allerdings im Laufe der Jahre ganz gewaltig. Spätestens beim Übergang in die Klasse 10 stellen sie dann schon mindestens die Hälfte der Schüler und in Oberstufen kann es schon mal vorkommen, dass eine Klasse 11 mit zwei oder drei Jungs auskommen muss.

Das Problem ist hinreichend bekannt, wird jedoch von der Politik im “Aufsteigerland” Saarland bisher geflissentlich ignoriert. Wenn dann allerdings wie jetzt plötzlich so eine Statistik auftaucht, nach der inzwischen bei den Studierenden der weibliche Anteil 58 Prozent beträgt, horchen unsere überwiegend männlichen Politiker auf. Doch im Saarland werden solche Zahlen zwar zur Kenntnis genommen, aber dann gleich wieder verdrängt. Schließlich könnte sich hier ja ein Kostenfaktor auftuen, strukturelle Maßnahmen wären erforderlich.

Denn was wir brauchen, ist eine Pädagogik für die Jungs. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, sich mit ihrer Männlichkeit zu identifizieren. Das gelingt ihnen kaum in einer Welt mit überwiegend weiblichen Bezugspersonen. Sie erleben zudem tagtäglich, dass die Verhaltensmuster ihrer Mitschülerinnen besser angenommen und honoriert werden. Doch allein mit einer Erhöhung des männlichen Anteils von Pädagogen und Erziehern ist es nicht getan. Auch das Prinzip der koedukativen Unterrichtung muss in manchen Fällen hinterfragt werden. Man denke hier nur an all die Probleme, die beispielsweise ein gemeinsamer Sportunterricht mit sich bringt. Schulen müssen in die Lage versetzt werden, auch mal reine Mächen- bzw. Jungengruppen bilden zu können, auch wenn dadurch kleinere und “teurere” Lerneinheiten entstehen. Erforderlich ist allerdings gleichzeitig die längst fällige Aufwertung der Berufe in Kindergärten und Grundschulen, auch um den Anteil der Männer zu erhöhen.

Arno Malburg

 
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