| Dies und das zum Jahresende |
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| Montag, 22. Dezember 2008 | |
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Viel Wirbel gab es um das neue Schulverbundsystem, das ab dem nächsten Schuljahr in Kraft treten soll. Dabei handelt es sich vor allem um den Versuch einer Aufbesserung des Images der Erweiterten Realschulen (ERS), die stark mit rückläufigen Schülerzahlen zu kämpfen haben. Alle ERS arbeiten künftig direkt mit zugeteilten gymnasialen Oberstufen zusammen, um geeigneten Schülerinnen und Schülern den alternativen Weg zum Abitur in 9 Jahren zu ermöglichen. Für die bereits bestehenden gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen wird sich wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren nichts ändern. Befürchten muss man allerdings, dass nach den kommenden Landtagswahlen auch hier unerwünschte Modelle entworfen werden, die Kosten einsparen könnten. Immerhin hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Alternativen zum G8 ausgebaut werden müssen. Mit dazu beigetragen hat wohl auch das Ergebnis einer Befragung von G8- und G9-Schülern, die von der Landeselterninitiative für Bildung vorgelegt wurde. Dabei ging es nicht um die isolierte Betrachtung der Notenunterschiede, wie wir das vom Bildungsministerium kennen. Vielmehr sollte festgestellt werden, inwieweit sich die unterschiedlichen Anforderungen von G8 und G9 konkret auf Lebensbereiche und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler auswirken. Die Ergebnisse bestätigten, was G8-Schüler und deren Eltern schon lange spürbar erfahren: Das Familienleben leidet, der Bedarf an Nachhilfe ist höher, der Zeitaufwand für Hausaufgaben ist größer als bei G9, Freizeitaktivitäten kommen zu kurz, G8-Schüler sind häufiger krank und tendieren mehr zum Einzelkämpfertum. Und weil der Unmut über das unausgegorene saarländische G8 einfach nicht abreißen will, sieht Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer jetzt auf einmal Handlungsbedarf. Sie will im Wesentlichen einer Empfehlung der Vereinigung der Oberstudiendirektoren und des Philologenverbands Saar folgen, die konkrete schulische Erleichterungen (z.B. Wegfall des verpflichtenden Nachmittagsunterrichts für die Klassen fünf und sechs, individueller Förderunterricht) für G8-Schüler vorsieht. Wir werden abwarten müssen, was von den guten Vorsätzen ab dem nächsten Schuljahr tatsächlich umgesetzt wird.
Ländersache ist auch die frühkindliche Bildung. Und weil die deutschen Bundesländer sich grundsätzlich wenig für internationale Vergleiche interessieren, sehen die Ergebnisse auf diesem Gebiet auch nicht gerade berauschend aus. In einer Analyse des Kinderhilfswerks Unicef zur Qualität von Kindergärten und Tagesstätten in 25 Industrieländern liegt Deutschland nur an 14. Stelle. Kritisiert wird bei uns vor allem die zu hohe Kinderarmutsrate (16 Prozent). Der Anteil der Kinder aus armen Familien sollte, so die Empfehlung, auf unter zehn Prozent gesenkt werden. Einziges Land, das alle Standards erfüllt, ist Schweden. Die Studie weist auch nach, dass es innerhalb der Bundesländer gravierende Unterschiede gibt. In Ostdeutschland besucht im Schnitt mindestens jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Im Bundesschnitt ist es hingegen nur jedes zehnte Kind. Auch wenn von der Politik nicht viel zu erwarten ist, sollten wir eines nicht vergessen: Bildungsqualität ist in vielen Fällen nicht das Ergebnis staatlicher Maßnahmen. Zum Glück gibt es immer noch eine Vielzahl von Menschen, die mit viel Beharrlichkeit und persönlichem Engagement immer noch „es Beschde draus machen“, wie der Saarländer sagt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe und besinnliche Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr. Ihr Arno Malburg
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PISAAR ist diesmal im vorweihnachtlichen Trubel etwas untergegangen. Doch viel verpasst haben wir eigentlich nicht. Wenn wir uns nur die wirklich greifbaren Ergebnisse saarländischer Bildungspolitik ansehen, bleibt im Regelfall kaum etwas übrig.
Gleichzeitig gab es inzwischen auch wieder mehrere (bundes)länderübergreifende Vergleichsstudien, die zumindest für den Bereich der Grundschulen ganz passable Ergebnisse liefern. Bei der neuesten Internationen-Grundschule-Lese-Untersuchung (IGLU-E) 2006 erreichte das Saarland im Vergleich mit den anderen Bundesländern einen guten siebten Platz. In der TIMSS-Studie (Trends in International Mathematics and Science Study), die auf internationaler Ebene das mathematische und naturwissenschaftliche Grundverständnis von Viertklässlern prüft, liegen wir im oberen Mittelfeld. Allerdings im Vergleich zu den TIMSS-Siegerländern Hongkong und Singapure hinken die deutschen Grundschüler mit ihren Mathe-Kenntnissen um fast zwei Jahre hinterher. Obwohl die Grundschüler in Deutschland bei nationalen und internationalen Vergleichen noch einigermaßen mithalten können, brechen die Leistungen laut PISA später in den weiterführenden Schulen drastisch ein. Fachleute sehen darin einen Beleg für die Unzulänglichkeit des gegliederten deutschen Schulsystems mit der verfrühten Trennung der Schüler nach dem 10. Lebensjahr. Obwohl Deutschland mit diesem System international völlig isoliert dasteht (in den meisten Ländern findet gemeinsames Lernen zumindest bis zur 8. Klasse statt), kommen wir hier hier nicht vom Fleck. Der deutsche Bildungsföderalismus, der jedem Bundesland absolute Selbständigkeit und Eigenmächtigkeit in Sachen Bildung einräumt, verhindert jeden Reformversuch schon im Ansatz.