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Dem Saarland droht neue Schulschließungswelle PDF Drucken E-Mail
Montag, 9. Juni 2008

79 Schulstandorte langfristig gefährdet!

landeselterninitiative Trifft der Schülerrückgang so zu, wie er im Demographie-Bericht der Landesregierung vorausgesagt wird, sind nach einer Auswertung der aktuellen Schülerzahlen durch die Landeselterninitiative für Bildung in den nächsten 6 Jahren 79 Schulen in ihrer Existenz gefährdet. 

Zugrundegelegt sind die neuen Schülerzahlen des Ministeriums und die Vorschriften des Paragraph 9 Schulordnungsgesetz. Dieser schreibt vor, dass ein "geordneter Schulbetrieb" nur noch dann gewährleistet ist, „wenn Grundschulen wenigstens zwei Klassen je Klassenstufe, Erweiterte Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien jeweils wenigstens drei Klassen je Klassenstufe" haben. Das Schulordnungsgesetz in der jetzigen Fassung wurde letztmalig zur Durchsetzung der Grundschulschließungen im Jahre 2005 geändert. Vor allem das Gebot der Zweizügigkeit für die Grundschulen gibt es außer im Saarland in keinem anderen Bundesland. Schon für die kommenden sechs Schuljahre der bereits geborenen Kinder (2008/2009 bis 2013/2014) sehen die Eltern 44 Grundschulen (von 160), 29 Erweiterte Realschulen (von 51), vier Gesamtschulen (von 17) und zwei Gymnasien (von 35) in ihrer Existenz gefährdet, wenn die Landesregierung das Schulordnungsgesetz anwendet.

Die Standort-Auswertung wurde erst möglich, nachdem das Kultusministerium seinen Widerstand aufgab, die entsprechenden Zahlen herauszugeben. Die Elterninitiative forderte die Daten bereits im März an und konnte die Herausgabe erst durch Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz erzwingen.

Angesichts dieser Prognosen erwartet die Landeselterninitiative von Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer einen öffentlichen Diskurs über Schulentwicklung und Pädagogik. Die zurückgehenden Schülerzahlen müssten, so die Elternvertretung, zu einem "Qualitätssprung im Bildungswesen" genutzt werden. Dadurch bestehe die Chance, die Kinder und Jugendlichen besser zu fördern und ihnen mehr Zuwendung entgegenzubringen.

Die Auflistung der gefährdeten Schulen hier zum Download:

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iconSchulstandort-Prognosen

 PISAAR-Kommentar: Offene Schulstrukturreform nötiger denn je!

Ob schwarz oder rot - bisher hat noch jede Landesregierung zurückgehende Schülerzahlen zum bildungspolitischen Kahlschlag ausgenutzt. Schon jetzt erfüllen einige Schulen im Land nicht mehr die geforderte Zwei- bzw. Dreizügigkeit. Schulschließungen sind allerdings erst nach der Landtagswahl im kommenden Jahr zu erwarten. Vorher wird sich niemand die Hände schmutzig machen, auch wenn die Schließungpläne vielleicht schon in den Schubladen liegen.  In dieses Schema passt es, wenn das Kultusministerium erst an seine Informationspflicht erinnert werden muss, um die brisanten Daten herauszurücken.
Es entspräche demokratischem Stil und Fairness, eine offene und ehrliche Schulstrukturreform in Angriff zu nehmen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und nicht an einem kurzfristig zu erzielenden Spareffekt. Die Parteien sollten ihre Absichten vor der Wahl offen legen, nicht danach und auch nicht von oben herab, sondern unter Beteiligung aller betroffenen Gruppen. 

 

 
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