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GEW Saar zu Iglu-Ergebnis PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 2. Dezember 2007
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, hat das Ergebnis der „Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU) als Bestätigung der hervorragenden pädagogischen Arbeit der Grundschullehrkräfte bezeichnet. Das gute Abschneiden der Grundschüler in der Studie zeige zudem, dass die Grundschule als eigentliche Gesamtschule, die alle Kinder besuchen, im Grunde die erfolgreichste Schulform in Deutschland ist. 

Die IGLU-Studie bestätige zum zweiten Mal, dass in einer Schule für alle mit einem guten Lernklima und einer individuellen Förderung der Kinder in heterogenen Lerngruppen erfolgreich gelernt wird und gute Leistungen erreicht werden.

Aufteilung nach der 4. Klasse bringt soziale Ungerechtigkeit
Als äußerst besorgniserregend bezeichnet die GEW die Zunahme von sozialer Ungerechtigkeit am Ende der 4. Klasse, wonach es Kinder aus bildungsfernen Schichten und Migrantenfamilien nachweislich schwerer haben, eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten als Akademikerkinder. GEW-Chef Klaus Kessler sagt dazu: „Es ist ein Skandal für unser Land, wenn Empfehlungen für das Gymnasium nicht allein auf die Leistungsfähigkeit eines Kindes zurückzuführen sind, sondern auf den familiären Hintergrund und den Geldbeutel der Eltern. Überhaupt ist es ein Riesenproblem, die Kinder bereits nach dem 4. Schuljahr auf verschiedene Schulformen aufzuteilen, wo doch mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist, dass dies viel zu früh erfolgt und die Schulformen des gegliederten Schulsystems nicht alle Kinder begabungsgerecht fördern.“

Wertung als saarländischer Erfolg ist "lächerlich"
Aus Sicht der GEW hat hier die Politik total versagt, da sie nicht dafür Sorge trägt, dass das Schulsystem insgesamt gerechter wird. An die Adresse von Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer gerichtet, sagte GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler: „Es ist einfach lächerlich, wenn die Bildungsministerin das jetzige gute Abschneiden der Grundschüler auf Reformen der Landesregierung zurückführt. Die Erhöhung der Unterrichtsstunden an den Grundschulen ist im gleichen Jahr erfolgt, in dem die IGLU-Studie durchgeführt worden ist. Sie kann sich also noch gar nicht positiv auf das Testergebnis ausgewirkt haben.

Mehr Unterrichtsstunden einerseits, größere Klassen und Stellenabbau andererseits
Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass diese Maßnahme nach der Schließung von fast 100 Grundschulen sowie durch eine Erhöhung des Klassenteilers von 27 auf 29 Schüler finanziert worden ist. Größere Klassen beeinträchtigen stets auch den Lernfortschritt der langsamer lernenden und sozial schwachen Kinder, die eine höhere Betreuungsintensität benötigen.“ Aus aktuellem Anlass kritisiert GEW-Vorsitzender Klaus Kessler ebenso den kontinuierlichen Stellenabbau an den Grundschulen des Saarlandes und eine Zunahme von nur befristeten Einstellungen von jungen Lehrkräften. Die GEW hat festgestellt, dass einschließlich des Haushaltsjahres 2008 in den letzten vier Jahren an den Grundschulen des Saarlandes mehr als 200 Lehrerplanstellen gestrichen worden sind. Abschließend fordert die GEW die Landesregierung dazu auf, den Sparkurs an den Grundschulen endlich zu beenden, da dieser zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Ungerechtigkeit im saarländischen Schulwesen führt. Klaus Kessler sagt dazu: „Wir können es uns in Zukunft nicht mehr leisten, die Kinder früh auf verschiedene Schulformen zu sortieren und dadurch nicht alle Begabungsreserven auszuschöpfen. Angesichts der demografischen Entwicklung benötigen wir zukünftig mehr Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen. Die Landesregierung darf die Schulstrukturfrage im Saarland nicht länger tabuisieren.“


 
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