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Vergleichsarbeiten zählen nicht mehr als Klassenarbeit PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 30. September 2007
Die landeszentralen Vergleichsarbeiten in den Fächern Deutsch (Klasse 7), Mathematik (Klasse 8) und in der ersten Fremdsprache (Klasse 9) sollen nach Aussage von Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ab dem Schuljahr 2008/2009 nicht mehr benotet werden und fließen dann auch nicht mehr in die Zeugnisnote ein. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die schlechten Ergebnisse der diesjährigen Vergleichsarbeit Mathematik an den Gymnasien. Dort soll die Bewertung als Klassenarbeit bereits in diesem Schuljahr entfallen.

Das Ministerium spricht von "deutlich schlechteren Ergebnissen als in den Vorjahren". Dennoch soll es weiterhin eine wissenschaftliche Auswertung geben, um die "Unterrichtsentwicklung voranzubringen".

Joachim Klesen, Landeselternsprecher Gymnasien, nannte die Ergebnisse des Mathe-Vergleichs "desaströs". Die Landeselternvertretung (LEV) Gymnasien habe schon bei der Einführung der landesweiten Vergleichsarbeiten darauf hingewiesen, dass hier kein individueller Leistungsvergleich der Schülerinnen und Schüler durchgeführt werden dürfe, wenn es um den Vergleich der Schulen untereinander geht.

Klaus Kessler, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), forderte demgegenüber einen völligen Verzicht auf Vergleichsarbeiten, landes- und bundesweit. Sie hätten nur dann einen Sinn, wenn daraus Konsequenzen für die Lehr- und Lernbedingungen an den Schulen gezogen werden. Im Hinblick auf die Verschlechterung der Lernergebnisse im Verlauf der letzten Jahre könne davon allerdings keine Rede sein. Der Kosten-Nutzen-Aufwand der landesweiten Vergleichsarbeiten steht für ihn in keinem Verhältnis. Die unterschiedlichen Bedingungen der einzelnen Schulen ließen keine gesicherten vergleichenden Aussagen zu. Sicher sei hingegen die hohe organisatorische Belastung der Schulen und der Trend, dass sich das Unterrichtsgeschehen zu einseitig auf die Tests konzentriere ("teaching to the test").

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Der Irrsinn ist kaum noch zu überbieten: Da werden mit ungeheurem Aufwand landesweite Tests konzipiert und unter größten organisatorischen Schwierigkeiten an den Schulen abgeprüft. Die Testergebnisse wandern dann an die Uni, wo eine wissenschaftliche Auswertung stattfindet, aus der Konsequenzen für die Unterrichtsentwicklung gezogen werden sollen. Doch diese Konsequenzen gibt es de facto nicht. Im Gegenteil: die Bedingungen an den Schulen werden von Jahr zu Jahr schlechter und die Testergebnisse ebenfalls. Also ganze Heerscharen von Wissenschaftlern, Ministerialbürokraten, Lehrern und Schülern arbeiten hier für die Katz.
Die Schülerinnen und Schüler können sich zwar freuen, wenn Vergleichsarbeiten nicht mehr in ihr Zeugnis einfließen. Besonders anstrengen werden sie sich dafür jedoch in Zukunft nicht mehr, noch schlechtere Ergebnisse sind zu erwarten. Für Lehrerinnen und Lehrer hingegen erhöht sich der Aufwand, weil die Vergleichsarbeiten nicht mehr als Klassenarbeit anerkannt werden.

Wenn allerdings doch niemals Konsequenzen aus gesicherten Erkenntnissen gezogen werden, möchten wir der neuen saarländischen Bildungsministerin dringend empfehlen, die Vergleichstests so schnell wie möglich ganz verschwinden zu lassen.

 
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