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Zur Amtseinführung von Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Kultusministerin PDF Drucken E-Mail
Samstag, 25. August 2007
Der Job eines Kultusministers oder einer Kultusministerin ist im Saarland nicht einfach. Wir sind - mal abgesehen von dem Stadtstaat Bremen - das höchstverschuldete Bundesland. Bildungspolitik wird daher bei uns im Saarland vorwiegend als Sparpolitik verstanden. Es ist das unausgesprochene Grundprinzip, nach dem saarländische Bildungspolitiker seit Jahren über die Zukunftsaussichten unserer Kinder entscheiden.

Alle Kultusministerinnen und Kultusminister der letzten vier Legislaturperioden drehten daher auch immer fleißig an der Sparschraube:

  • Erhöhung der Arbeitszeiten für Lehrkräfte im Schnitt alle zwei bis drei Jahre,
  • Erhöhung der Kurs- und Klassenstärken,
  • eine stetige Ausweitung des eigenverantwortlichen Unterrichts für Referendarinnen und Referendare,
  • die Absenkung der Eingangsbesoldung,
  • die Streichung von Förderstunden,
  • die Einschränkung der Wahlmöglichkeiten von Schülern,
  • die Einführung von G8 (spart nach 8 Jahren den Jahrgang 13),
  • die Schließung von etwa einem Drittel aller Grundschulen,
  • die Einführung der neuen gymnasialen Oberstufe (spart Lehrkräfte),
  • eine Unterrichtsversorgung in stetig wachsendem Umfang durch Aushilfslehrkräfte und Seiteneinsteiger.

Und das ist nur eine grobe Übersicht des Sparkatalogs.

Da nun das Sparen zulasten der Kinder bei uns in der Öffentlichkeit immer noch als unanständig empfunden wird, wurden die obersten Bildungswächter von ihren Chefs, den Ministerpräsidenten, auch an der Fähigkeit gemessen, eine solche Politik einigermaßen schmackhaft machen zu können. Der noch amtierende Kultusminister Jürgen Schreier hat es hier zu beachtlichen Leistungen gebracht. Er ist der Erfinder der „Bildungsoffensive". Und niemand wird vergessen, wie er seinerzeit von der etablierten Presse gefeiert wurde, weil er als erster deutscher Kultusminister die Schüler in das G8-Korsett hineinzwängte. Gleichzeitig müssen Kultusminister und Kultusministerinnen aber auch eine Menge Prügel einstecken können, weil viele Kritiker eine solche Politik durchschauen. Also, wirklich kein leichtes Amt. Doch schließlich muss man nicht umsonst den Buckel hinhalten. Es winken stattliche Pensionsansprüche und Jürgen Schreier kann im vergleichsweise gemütlichen Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden jetzt erst mal kräftig durchatmen.  

Wir erhoffen uns von der neuen Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine Bildungspolitik, die sich nicht überwiegend am Sparen orientiert. Wir brauchen eine gute Bildung für möglichst viele Kinder. Das ist die beste Investition überhaupt. Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Schon jetzt beklagen sich die Unternehmen über Fachkräftemangel und über die Schwierigkeiten, geeignete Bewerber für Lehrstellen zu finden. Kleinkrämerische Sparpolitik ist hier völlig fehl am Platze. Die Politik von Frau Kramp-Karrenbauer wird sich also in erster Linie daran messen lassen, inwieweit sie den Mut und die Durchsetzungkraft aufbringt, dieses unselige Prinzip des Kaputtsparens zu durchbrechen.

In diesem Sinne wünschen wir Frau Kramp-Karrenbauer viel Erfolg in ihrem neuen Amt.

Arno Malburg

Herausgeber PISAAR

 

 
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