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Heiße Luft im Sommerloch: der Verhaltenskodex PDF Drucken E-Mail
Samstag, 18. August 2007
Kultusminister Jürgen Schreier nutzt das Sommerloch geschickt aus und macht genau das, was gut zu dem verregneten Wetter passt: heiße Luft. Nach den Benimmregeln zaubert er nun den „Verhaltenskodex“ aus der Kiste.

Regeln sind ihm offenbar sehr wichtig. Doch daran mangelt es nicht. An allen Schulen gibt es Regeln. Häufig werden sie sogar zusammen mit den Schülern aufgestellt und damit auch besser akzeptiert. Wir verwenden viel Zeit damit, den Schülerinnen und Schülern immer wieder deutlich zu machen, wie wichtig die Einhaltung von Regeln letztendlich vor allem für sie selbst ist. Sie verstehen das auch. Sie sehen z.B. ein, dass es notwendig ist, die Gesprächsregeln einzuhalten, damit ein halbwegs geordneter Unterricht stattfinden kann. Doch viele Kinder - und deren Zahl steigt - setzen sich gewollt oder ungewollt dennoch bei jeder passenden Gelegenheit über solche Vorgaben hinweg. Nur, was nützt die schönste Bestimmung, wenn sie kaum durchgesetzt werden kann. Angesichts der zunehmenden Zahl verhaltensauffälliger Kinder sind Lehrkräfte immer weniger fähig (und auch bereit), einen großen Teil ihrer Arbeit damit zu verbringen, solchen Erziehungsdefiziten gegenzusteuern. Mit einem Kodex allein ist ihnen dabei nicht gedient. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind inzwischen verbittert, weil sie mit dem Problem allein im Regen stehen.

Will Kultusminister Schreier also tatsächlich etwas tun gegen die zunehmende Gängelung und Verunglimpfung von Lehrkräften oder gegen ausufernde Unterrichtsstörungen durch respektlose und unerzogene Kinder, muss er andere Rahmenbedingungen schaffen. Und die heißen: kleinere Klassen und Kurse, mehr Sozialarbeiter und Psychologen, bessere räumliche Bedingungen. Das hört er nicht gern. Denn da haben wir dann wieder den Kostenfaktor. Also dann doch besser heiße Luft. Die kostet nix. Und unsere etablierte Presse fährt voll darauf ab.

Arno Malburg
 

 
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