| Ausbau von Ganztagsschulen findet im Saarland nicht statt |
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| Montag, 13. August 2007 | |
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Der durch Bundesmittel finanzierte Ausbau von Ganztagsschulen findet im Saarland praktisch nicht statt. Das saarländische Konzept der "Freiwilligigen Ganztagsschule" hat nach Ansicht von Fachleuten nichts mit dem zu tun, was man unter Ganztagsschulen versteht. Es handelt sich lediglich um eine Nachmittagsbetreuung. Viele Kritiker bezeichnen diese "saarländische Lösung" daher als Etikettenschwindel. Der folgende Beitrag aus bildungsclick.de fasst die Anstrengungen der Länder beim Ausbau von Ganztagsschulen zusammen. Der zugehörige Kommentar zur Situation im Saarland stammt von Bernhard Strube, dem Sprecher der Landeselterninitiative für Bildung. Länder bauen Ganztagsschulen nur im Bummeltempo ausBundes-Mittel erst zu 56 Prozent abgerufen
06.08.2007
Eine Reihe von Bundesländern hinkt bei der Einrichtung von Ganztagsangeboten gewaltig im Zeitplan hinterher. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung vom 25. Juni 2007 hervor. Danach ist es fraglich, ob die vom Bund zur Verfügung gestellten 4 Milliarden aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB)" bis zum Ablauf der Frist Ende 2009 tatsächlich für Investitionen im Ganztagsschulbereich ausgegeben werden. So Marianne Demmer, die stellvertretende Bundesvorsitzende und Leiterin des Vorstandsbereichs Schule bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in einer Online-Veröffentlichung des Verbandes. Nach Auskunft der Bundesregierung (DS 16/5855 - Auszug) waren mit Stand 22.06.2007 erst 2.257.604.347,35 EURO (56 Prozent) in Anspruch genommen (siehe auch Grafik). Dabei ist das Engagement für Ganztagseinrichtungen in den Bundesländern höchst unterschiedlich ausgeprägt. Während Bremen die ihm zustehenden Gelder bereits nahezu vollständig ausgeschöpft hat, haben Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal 50 Prozent abgerufen. Gemäß der Bund-Länder-Vereinbarung vom 12. Mai 2003 sollte die Frist für Investitionen eigentlich nur bis Ende 2008 laufen. Da jedoch bereits Ende 2005 absehbar war, dass einige Bundesländer ihre anfängliche Blockade gegen das gesamte Unternehmen nur langsam lockerten, wurde im Koalitionsvertrag der großen Koalition die Verlängerung um ein Jahr bis Ende 2009 vereinbart und in einer "Ergänzenden Information" am 24. November 2006 in Kraft gesetzt. Der Berichterstatter der Bundesregierung gab sich trotz der geringen Investitionsneigung einiger Bundesländer dennoch vorsichtig optimistisch. Es sei "nicht damit zu rechnen, dass einzelne Länder ihren Spielraum nicht ausschöpfen werden". Alle Länder hätten wiederholt – zuletzt auf der IZBB-Bund-Länder-Besprechung am 3. Mai 2007 – erklärt, "dass die IZBB-Mittel vollständig in Anspruch genommen würden und dass die Nachfrage in allen Ländern die vorhandenen Mittel sogar übersteige". Man dürfe gespannt sein, so Demmer. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass die derzeitige Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) ein Programm zum Erfolg führen muss, gegen das sie in der Entstehungsphase 2003 als baden-württembergische Kultusministerin hartnäckig gekämpft hat. 2003 hieß die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und gehörte der SPD an. Wie es nach 2009 mit dem Ausbau von Ganztagsangeboten weiter geht, wenn keine finanziellen Hilfen des Bundes mehr fließen dürfen, steht in den Sternen. Seit der Föderalismusreform sind dem Bund solche Investitionsanreize im Schulbereich verboten. Auch diesen Umstand hat die derzeitige Bundesbildungsministerin maßgeblich mitzuverantworten. Sie hat die Föderalismusreform in keiner Weise kritisiert, sondern durch ihr gesamtes Verhalten gestützt. Die Versorgung mit Ganztagsschulplätzen ist in den Bundesländern denkbar uneinheitlich. Nach den letzten Statistiken der KMK, bezogen auf das Jahr 2005, reicht die Versorgungsquote für Schüler/innen allgemein bildender öffentlicher und privater Schulen von 3,2 Prozent in Bayern bis über 35 Prozent in Berlin. Deutschlandweit lag sie 2005 bei 15,2 Prozent. Die Situation in den einzelnen Schulformen klafft ebenfalls weit auseinander. Mit 72,8 Prozent bieten Integrierte Gesamtschulen ihren Schüler/innen den größten Anteil an Ganztagsplätzen, mit 7 Prozent die Realschulen den geringsten. Auch diese extremen Unterschiede dürften den UN-Sonderberichterstatter Muñoz veranlasst haben, in Deutschland keine guten Bedingungen für Chancengleichheit zu sehen. Insgesamt hat das IZBB-Programm seit 2002 zu einer Steigerung der Ganztagsplätze von 873.935 auf 1.302.921 geführt. 2002 war für 9,8 Prozent der Schüler/innen ein Ganztagsplatz vorhanden, 2005 für 15,2 Prozent. In den meisten Bundesländern wurden vor allem zusätzliche Ganztagsplätze in offener Form geschaffen. Häufig sind dabei allerdings die Arbeits- und Lernbedingungen noch nicht zufriedenstellend. Die Schulen müssen mit sehr viel Engagement versuchen, zu geringe Finanz- und Personalausstattungen auszugleichen. Ein rhythmisiertes pädagogisches Konzept lässt sich in Schulen mit offenem Ganztagsbetrieb nicht realisieren. Selbst die relativ große Steigerung zwischen 2002 und 2005 um mehr als 50 Prozent reicht jedoch bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. In einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap von 2004 sagten 28 Prozent der Eltern, dass sie ihr Kind "auf jeden Fall" auf eine Ganztagsschule schicken würden und 24 Prozent täten es "unter Umständen". Und der Bedarf wächst ständig – ein Bedarf, den die Bundesländer demnächst ohne Hilfe des Bundes befriedigen müssen. (bikl.de / Marianne Demmer)
1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Bernhard Strube, Sprecher der Initiative, am 08.08.2007 14:21
Die Landeselterninitiative für Bildung im Saarland hat die Landesregierung mehrfach aufgefordert, Bildung und Erziehung in den Vordergrund zu rücken, statt Versorgung und Betreuung. Derzeit sind im Saarland nur vier Grundschulen und eine Gesamtschule echte Ganztagsschulen (bei 311 allgemein bildenden Schulen). Keine einzige ist dazu gekommen, seit der Bildungsminister 50 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm der Bundesregierung „Zukunft, Bildung und Betreuung (IZBB)“ an Schulen einsetzt. „Mit dem Begriff ‚Freiwillige Ganztagsschule’ ist dem, was im Saarland geschieht, das falsche Etikett gegeben: Es fehlt die konzeptionelle Verzahnung von Vor- und Nachmittag, es mangelt an pädagogischem Fachpersonal, die gemeinsame Lernzeit ist nicht erhöht und der Unterricht nicht besser rhythmisiert. Statt dessen müssen die Eltern im Wesentlichen die Kosten bezahlen, z.B. bis zu 100 Euro im Monat für ein Kind bis 16/16:30 Uhr in der Nachmittagsbetreuung.
Die PISA-Untersuchungen haben dagegen klare Anhaltspunkte erbracht, dass ein flächendeckendes Angebot an echten Ganztagsschulen, das im Übrigen die meisten Länder in der EU und der OECD besitzen, zu höherem Leistungsniveau führt und eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Kinder individuelle Leistungsunterschiede ausgleichen sowie ein schlechtes außerschulisches Lernumfeld überwinden können. Echte Ganztagsschulen sind deshalb auch ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit. (Landeselterninitiative für Bildung im Saarland - www.eltern-fuer-bildung.de)
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