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Kultusminister lehnen bundeseinheitliche Schulbücher ab PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 7. August 2007

Der zaghafte Versuch von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, bundesweit einheitliche Schulbücher anzustreben, wurde von der großen Mehrheit der Länder abgelehnt. Auch beim saarländischen CDU-Kollegen Kultusminister Jürgen Schreier stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe.

Der Vorgang offenbart den Irrsinn des deutschen Bildungsföderalismus gleich in zweifacher Weise:

schuelbuecherSchulbücher werden von den Verlagen je nach Bundesland in mehreren Varianten angeboten, da ja schließlich länderunterschiedlich auch verschiedene Lehrpläne zugrunde liegen. Das hebt natürlich das Geschäft, denn die Bücher müssen oft nur geringfügig abgeändert werden, um sie in einem anderen Bundesland in anderer Ausgabe auf den Markt zu bringen. Ein bundesweit vertriebenes Schulbuch könnte in erheblich höherer Auflage gedruckt werden, wodurch die Produktionskosten fallen. Die herrschende Praxis verhindert außerdem, dass Schulbücher länderübergreifend genutzt werden können wie beispielsweise bei einem Wohnortwechsel in ein anderes Bundesland.

So richtig verstehen kann das niemand. Am wenigsten die Eltern, die diesen Aufwand bezahlen und dafür jedes Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen. Manche glauben sogar an eine Klüngelwirtschaft zwischen Ländern und Verlagen.

Doch soweit muss man nicht gehen. Der tiefere Sinn liegt natürlich wiederum im deutschen Föderalismus verborgen. Denn auf dem Gebiet der Bildung können sich die Länderfürsten noch als unumschränkte Herrscher gebärden. Sie dürfen alles selbst bestimmen und niemand soll es wagen ihnen reinzureden, weder der Bund noch die anderen Bundesländer. Bundesbildungsministerin Schavan darf sich zwar mit gut gemeinten Vorschlägen profilieren (laut einer Umfrage des SPIEGEL stimmten 86 Prozent der Befragten für bundeseinheitliche Schulbücher), doch bewirken kann sie nichts. Noch nicht einmal bei den eigenen Parteifreunden in den Ländern. Was den Kultusministern nicht passt, wird mit gespielter Empörung als unzulässige Einmischung abgelehnt. Und Kultusminister Schreier singt bei solchen Anlässen stets das Hohenlied vom angeblichen Segen des deutschen Bildungsföderalismus.

Provinzpolitiker entscheiden also in Deutschland darüber, was unsere Kinder lernen sollen bzw. was die Eltern dafür berappen müssen. Und weil sich daran in absehbarer Zeit nichts mehr ändern wird (die als „Jahrhundertreform" gepriesene Föderalismusreform hat es bewusst so gewollt), bleibt uns nichts anderes übrig, als diese Politiker immer wieder an ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu erinnern ...

Arno Malburg


 
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